Februar25

Zurück in Good Old Germany

Ja, da ist mir die Überraschung doch gelungen. Nix Singapur, nix Malaysia - ich bin wieder zurück in Deutschland und habe fast allen einen gehörigen Schrecken eingejagt. Neben meinen Eltern wussten eigentlich nur Babsi und Hanne bescheid, weil beide im Januar mitbekommen haben, dass ich eine Praktikumszusage ab dem 2. März bekommen habe - der Grund, warum ich bereits heute wieder an meinem PC sitze und noch immer dazu tendiere, Umlaute ‘ae’, ‘oe’ und ‘ue’ zu schreiben und dauernd dass ‘z’ und das ‘y’ auf der Tastatur verwechsle ;)

Nach einem etwas turbulenten Flug mit Zwischenstopp in Singapur war ich gestern morgen um 5.15 Uhr wieder wohlbehalten in Frankfurt, habe dann im Laufe des Tages Omas, Opas und die Familie und gestern Abend meine Freunde überrascht - und mit diesem, meinem letzten Blog-Eintrag auch all diejenigen, die es bisher noch nicht wussten.

In diesem Sinne noch einmal: Vielen Dank für das Lesen und die zahlreichen Kommentare. Ich hoffe, ich habe Euch allen dieses wahnsinnige Land (und das ist natürlich positiv gemeint) etwas näher bringen können - und vielleicht habe ich ja auch jemandem geholfen, den Entschluss zu verfestigen, eine Reise ‘down under’ anzutreten - alle Strapazen sind es wert!

Februar22

Waving Goodbye to Australia

Die fertige Karte meines Trips :)Heute ist in Australien der National Day of Mourning, der Klage- und Trauertag. Nun gut, ich gebe zu, das hat nichts damit zu tun, dass ich das Land verlasse, sondern ist einfach eine symbolische Trauerfeier fuer die Opfer der Buschfeuer-Tragoedien in New South Wales und Victoria der letzten Wochen.

Wo ist bloss die Zeit hin? Knapp vier Monate Australien, und mir kommt es vor, als sei ich erst letzte Woche hier angekommen. In den letzten Tagen habe ich mich von vielen Menschen verabschiedet, die ich in Australien kennengelernt habe, und nun steht auch mein eigener Abschied an; morgen um diese Zeit werde ich schon eingecheckt am Flughafen sitzen.

Vic und Phil sind gestern geflogen, und heute habe ich Brett, seiner Frau und seiner Tocher “Goodbye” gesagt, die mir in meinen ersten Tagen in Sydney so viel gezeigt haben. Brett nahm mich mit in die Blue Mountains, wir sahen gemeinsam Quantum of Solace und hatten das Vergnuegen, Sir Roger Moore live und in Farbe zu sehen. Ausserdem organisierte er ueber seine Schwester Kristine eine Sightseeing-Tour in und rum und Canberra fuer mich, auf der sie und ihr Mann Adrian mir die ersten Kaengurus und Emus in Australien zeigten. Ausserdem war bei unserem Sonntagsmittags-Kaffee im Starbucks am Circular Quay auch Matt anwesend, ein weiterer Australier, den ich seit ueber 5 Jahren durch meine Mitarbeit bei CommanderBond.net kenne und dann heute zum ersten Mal getroffen habe. Er ist letzte Woche nach Sydney gezogen.

Ich habe sehr viel gesehen in den letzten vier Monaten, und lasse es alles noch einmal Revue passieren. Nach meinen ersten Tagen in Sydney ging es mit Brett, wie geschrieben, in die Blue Mountains, und ich habe Roger Moore gesehen. Von dort ging es in den Sueden, ueber Canberra und Mount Kosciuszko, den hoechsten Berg Australiens, auf dem mitten im Fruehsommer Schnee lag und auf dessen Besteigung ich mir den fiesesten Sonnenbrand aller Zeiten zugezogen habe, in den Wilsons Promontory Nationalpark, bevor ich fuer eine Woche in Melbourne landete.

Dort traf ich Jana, die frueher bei mir in der Klasse war und ich seit meinem Abitur nicht mehr gesehen hatte, bevor es in einer anstrengenden Uebernacht-Fahrt mit dem Bus die gut 1000 Kilometer nach Sydney wieder zurueckging. Das Surfcamp war meine erste Station auf dem Weg in den Nordosten Australiens, mit einem langen Stopp in Byron Bay und einem recht kurzen in Surfers Paradise. In Brisbane stiessen dann Hanne und Babsi zu mir, und gemeinsam ging es nach Hervey Bay, zum Campen ueber Weihnachten nach Fraser Island und schliesslich zum “Catch the goat” auf die Kroombit Cattle Station.

In Airlie Beach feierten wir Silvester mit neuen Freunden, die wir unterwegs getroffen hatten, bevor es auf einen Segeltoern zu den unfassbar schoenen Whitsunday Islands ging, wo wir eine atemberaubende Unterwasserwelt und den schoensten Strand der Welt, Whitehaven Beach, bewundern konnten. Leider verschlechterte sich das Wetter dann, sodass wir Magnetic Island aus liessen und ueber Townsville in Cairns landeten, wo wir das Great Barrier Reef sahen, dass wir aber unspektakulaerer fanden als das fringing reef der Whitsunday Islands, bevor es per Mietauto zum Cape Tribulation und spaeter in die Atherton Tabelands ging, wo wir jede Menge schoener Wasserfaelle sahen.

Per Flieger verliessen wir dann die Ostkueste und flogen ins “Red Centre”, nach Alice Springs. Von dort aus machten wir eine dreitaegige Tour ins Outback und sahen neben dem beruehmtesten Wahrzeichen Australiens, dem Uluru oder Ayers Rock auch Kata Tjuta und Kings Canyon. Zurueck in Alice Springs trennten sich unsere Wege dann, und fuer mich ging es weiter an die Westkueste.

Nach einer Woche in Perth und Scarborough Beach ging mein road trip in den Suedwesten Australiens los, wo ich unfassbar schoene Eukalyptus-Waelder sah, einen Baum bestieg, durch die Wipfel eines uralten Waldes spazierte, im Sonnenuntergang angelte, einen Leuchtturm von oben sah und schliesslich in Albany landete, wo ich Roland kennenlernte, der sich mir spontan anschloss. Ueber den Wave Rock mitten im Nirgendwo ging es dann die Westkueste hoch in den Norden. Neben der Pinnacles Desert, den Stromatolites, den aeltesten Lebewesen der Welt und den Delphinen von Monkey Mia beeindruckte uns im Besonderen die unvergleichlich raue Schoenheit des Kalbarri Nationalparks.

Zurueck in Perth ging es dann in einer der “great train journeys” der Welt durch die toedliche Nullarbour-Ebene nach Adelaide, der Stadt der Kirchen, bevor mich meine Reise wieder zum Ausgangspunkt fuehrte. Sydney.

Nach dem Abschied von Brett und Familie und Matt zog es mich dann heute ein letztes Mal dorthin, wo es mich gleich zu Beginn hinzog: Circular Quay. Ich koennte noch immer stundenlang einfach dort stehen und die wunderschoenen Blicke auf das Opernhaus, die Harbour Bridge und die Skyline Sydneys geniessen, aber als es anfing zu nieseln, bevorzugte ich es dann doch, in die U-Bahn zu steigen und ein letztes Mal die mittlerweile familiaer gewordene Stimme zu hoeren: Doors closing. Please stand clear!

Ich merke gerade, wie viel ich in diesem riesigen Land eigentlich gesehen habe, bedauere aber gleichzeitig, dass ich es aufgrund der wet season nicht nicht in den Norden geschafft habe. Darwin sowie der Kakadu und den Litchfield National Park haette ich gerne noch gesehen. Auch Tasmanien, wo ich es einfach zeitlich nicht mehr hin geschafft habe, soll wunderschoen sein. Eines weiss ich definitiv: Das war mein erstes Mal Australien, aber es wird nicht mein letztes Mal gewesen sein. Wenn dieser Kontinent dich einmal in seinen Bann gezogen hat, laesst er dich nicht mehr los. Ich werde wiederkommen. Irgendwann.

Morgen also Singapur und Malaysia. Ich bin gespannt auf den Kontrast und die Menschen dort. Und danke an dieser Stelle schon mal all den Lesern dieses Blogs fuer Eure Treue und die vielen Kommentare!

Give me a home among the gumtrees
With lots of plum trees
A sheep or two, a kangaroo
A clothesline out the back
Verandah out the front
And an old rocking chair…

(John Williamson - Home Among the gumtrees)

Februar19

Der Kreis schliesst sich, im wahrsten Sinne des Wortes

Fertige Karte meines Trips :)Ein Blick auf die Karte rechts erklaert den Zusatz im Titel: Ich bin offiziell einmal ueber diesen riesigen Kontinent gereist (den Norden und Nordwesten uebersehen wir mal galanterweise), denn ich bin seit gestern zurueck in Sydney. Das hat mehrere Gruende: Zum einen haben wir ein grosses Revival gefeiert - Victor und Philipp, die mit mir zusammen in der gleichen Maschine aus Frankfurt am 9. November sassen und die ich unterwegs in Cairns wiedergetroffen habe, sind auch zurueck in Sydney, denn sie fliegen am Samstag zurueck nach Deutschland. Auch Chris, mein Zimmernachbar der ersten Woche im Eva’s Backpackers, ist zur Zeit in Sydney - und das Beste ist: Wir sind alle im selben Hostel, nostalgischerweise wieder im Eva’s!

Grund Nummer 2 hat sich vor ein paar Wochen ergeben, als ich mit ein paar Backpackern in Perth sprach, die mich darauf aufmerksam machten, dass ich mich mit meinem Rueckflugticket bis zu vier Wochen an meinem Zwischenstopp aufhalten kann, ohne dass ich Gebuehren bezahlen muss. Also habe ich kurzerhand ein Touristenvisum beantragt und verlasse Australien, statt, wie geplant am 4. Maerz, bereits am kommenden Montag, in genau 5 Tagen. Meine letzte Reisewoche verbringe ich in Singapur, mit einem dreitaegigen Abstecher nach Malaysia!

Zunaechst einmal habe ich noch die letzten paar Tage in Adelaide genossen, bevor gestern dann mein Freiflug mit Qantas nach Sydney ging. Dabei habe ich schon einen Blick in das Bordmagazin geworfen und erfreut festgestellt, dass bei meinem Flug am Montag nach Singapur neben weiteren aktuellen Filmen auch Australia gezeigt wird, den Film, den ich mir eigentlich noch in Australien anschauen wollte. Aber das Geld kann ich mir dann auch sparen. Nach einem etwas holprigen Flug mit ein paar Turbulenzen durchbrach das Flugzeug dann die dicke Wolkendecke ueber Sydney und ich genoss multi million dollar views - Sydney aus der Luft, inklusive seiner vielen Wahrzeichen wie Opera House, Harbour Bridge und City Tower. Bei meiner ersten Ankunft im Flugzeug in Sydney kamen wir ueber das Meer, und man sah leider nichts von der Stadt. Dieses Mal kamen wir ueber Land und ich genoss die traumhaften Aussichten.

Dann, ein Schock in Sydney: Es war schweinekalt! Na gut, das Thermometer zeigte dann doch noch 22 Grad an. Aber es regnete und ich hatte eine Gaensehaut. Ich hatte die letzten sechs Wochen auch nachts selten unter 30 Grad, und ich glaube, mein Koerper hat sich ziemlich auf die hohen Temperaturen eingestellt. Zum Glueck scheint heute wieder die Sonne und es sind wieder 28 Grad, wobei derzeit ein paar haessliche Gewitter am Horizont aufziehen.

Als der Airport-Shuttle durch Sydney fuhr und schliesslich Kings Cross immer naeher kam, befiel mich ein seltsames melancholisches Gefuehl. Irgendwie fuehlte es sich an, nach Hause zu kommen. An den Ort meiner ersten zehn Tage in Australien, und der erste Ort seit 4 Monaten, wo mir auf Anhieb das Wichtigste bekannt ist. Ich weiss, wo ich den Woolworths finde, ich kenne den schnellsten Weg zum Coles, ich lache ueber die Backpacker-Abzocke der ganzen Reisebueros in The Cross, ich kenne den billigsten Bottleshop und das guenstigste Internetcafe. Alles sehr gewohnt, und nicht nur ich, auch die anderen freunden sich so langsam mit dem Gedanken an, dieses wunderschoene Land schon in wenigen Tagen zu verlassen.

Die naechsten Tage werden die Tage der Abschiede, Abschied von Phil und Vic, Abschied von Chris, Abschied von Brett, und dann schliesslich mein eigener Abschied. Ich blicke mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf meine Zeit in Australien. Ich bin irgendwie traurig, dieses tolle Land verlassen zu muessen, ohne alles gesehen zu haben. Aber ich freue mich auf meine Woche in Asien und meine Heimkehr in zwei Wochen. Denn, so besagt es ein australisches Sprichtwort: Seine Heimat, die lernt man erst in der Ferne so richtig zu schaetzen.

Februar16

Streifzug durch Adelaide

Ich muss gestehen - ich bin noch keine vier vollen Tage in Adelaide und habe mich in diese Stadt verliebt. Die Stadt am westlichen Ende der Boomerang-Kueste ist schon an meinem ersten Tag hier vor meine bisherige Lieblingsstadt Sydney auf Platz 1 gerutscht.

Vielleicht, weil Adelaide als bisher einzige Stadt neben Melbourne an eine europaeische Metropole im Spaetsommer erinnert, von der Architektur her sogar noch viel mehr als Melbourne. Adelaide hat Kirchen! Eine ganze Menge! Richtige Kirchen! Normalerweise sind Kirchen in Australien in Haeusern untergebracht, die an Lagerhallen erinnern, und die lediglich durch ein grosses Schild am Eingang des Parkplatzes darauf aufmerksam machen, dass es sich um die jeweilige katholische/evangelische/lutheranische/odersonstwas Kirche handelt. Aber Adelaide hat richtige Kirchen, derer ich bisher in Sydney und Brisbane jeweils eine (!) gesehen habe.

Als ich am Freitag morgen hier ankam, war mein Hostelzimmer noch nicht bezugbereit, sodass ich mein Gepaeck zur Aufbewahrung abgab und mich einfach zu einem Streifzug durch Adelaide aufmachte. Von meinem supergemuetlichen Hostel (in dem die Haelfte der Mitarbeiter natuerlich Deutsche sind), welches auch noch wunderbar zentral liegt, ging ich in Richtung Queen Victoria Square, einem riesigen Platz, welcher das Zentrum Adelaides bildet. Die erst 1836 gegruendete Stadt selbst ist wie ein rechteckiges Raster angelegt, sodass die zentralen vier Strassen am Queen Victoria Square im 90 Grad-Winkel aufeinandertreffen. Gekroent wird der Platz von mehreren Statuen der englischen Koeniginnen Victoria und Adelaide, nach der die Stadt - welch Ueberraschung - benannt ist, und einem grossen Hotel - dem Hilton.

Gleich dahinter befindet sich der Central Market, durch den ich ungefaehr zwei Stunden nur auf- und abgewandert bin und das Treiben beobachtet habe. Die Markthalle ist riesig, und man bekommt alles, was das Herz begehrt: Von Obst und Gemuese ueber Brot (ja - ich habe richtiges Brot gefunden!), Kaese, Wurst, Fleisch, Fisch - einfach alles. An den jeweiligen aeusseren Enden der Halle sind gemuetliche Cafestaende aufgebaut, die fast alle voll besetzt waren. “Mate, can I help you”, fragte mich ein aelterer Herr, als ich laengere Zeit in der Naehe der Marktinformation stand und mich umsah. “Ehm… a map of Adelaide would be good”, antwortete ich. “Sure thing, mate.” Und schon war ich mit drei Stadtplaenen, einem Vereichnis ueber die Rosengaerten der Stadt und einem Bus- und Tramfahrplan ausgestattet. Als ich mich bedankte, sagte er: “Where are you from?” - “Germany” - “Whereabout in Germany?” - “A small town in the southwest of the country called Trier.” - “Trier! I know that place. My daughter lives in Bernkastel!” So langsam wird es mir wirklich unheimlich!

Kurzer Einschub: Als ich in Perth vor zwei Wochen in mein Hostel eincheckte und ich meinen Reisepass zum Fotoabgleich an der Rezeption abgeben musste, sagte der freundliche junge Mann: “Ach, das gibt’s ja nicht, aus Trier! Ich komme aus Kluesserath!” Ich sage ja, unheimlich.

Bewaffnet mit einem Stadtplan machte ich mich auf in Richtung Fussgaengerzone, die gross ist und in der man die ueblichen australischen Geschaeft findet - Myers, Borders, Harvey Norman, Dick Smith, Woolworths, Coles sowie die obligatorischen Food Courts, Fastfoodrestaurants und Cafes. Und dennoch strahlte die Fussgaengerzone einen ganz eigenen Charme aus, was wohl daran lag, dass viele Kuenstler die Strassen belebten und auch hier die Architektur mehr europaeisch als amerikanisch war.

Am Samstag machte ich mich dann auf Richtung Museumsufer. Das South Australian Museum, die South Australian Art Gallery und die - architektonisch sehr schoen an das Flussufer eingebettete - University of South Australia bilden ein eigenes Viertel, und ich machte meinen ueblichen Streifzug durch die, wie ueberall in Australien, eintrittsfreien Museen und Galerien. Auf meinem Weg zurueck ins Hostel setzte ich mich in eines von Hunderten Strassencafes, die direkt am Buergersteig sind. Ich fuehlte mich als sei ich in Paris. Ganz im Ernst.

Gestern dann bestieg ich die Strassenbahn nach Glenelg, den Strand-Stadtteil Adelaides. Sehr interessant, wie hier Fahrkarten verkauft werden: In der Strassenbahn laeuft ein Schaffner auf und ab, der eine schwere, eiserne Kassette umhaengen hat, die neben Geld und Fahrkarten auch einen Computer enthaelt. Sobald jemand einsteigt, ruft er: “Tickets, anyone?” durch die Tram und man muss ihn nur zu sich winken um ein Ticket zu kaufen. Nebenbei erklaert er auch noch ungefragt das Tarifsystem der oeffentlichen Verkehrsmittel in Adelaide. Ich werde die freundlichen Preise und Mitarbeiter im OEPNV sehr vermissen, wenn ich wieder in Deutschland bin!

Glenelg selbst war eine seltsame Mischung aus St. Tropez und einem englischen Seebad. Ein langer, weisser Sandstrand, der von einer Promenade eingerahmt war, in der sich neben edlen Boutiquen aber auch Fastfood-Restautants, Eisdielen, Billabong-Shops, Obstmaerkte und Ramschlaeden befanden. Auch hier waren viele Strassenkuenstler unterwegs, und an jeder Ecke sammelt eine andere Organisation fuer den Victorian Bushfire Appeal.

Insgesamt hat Adelaide einen sehr positiven Eindruck bei mir hinterlassen, und wenn ich die australische Stadt benennen sollte, in der ich es mir vorstellen koennte, dauerhaft zu leben - dann waere das eindeutig Adelaide. Nicht zu gross, aber dennoch Metropole, mit einer huebschen Architektur, netten Strassencafes, freundlichen Menschen und einem Gruenguertel mit vielen Parks und botanischen Gaerten rund um die Stadt. Und in 20 Minuten ist man an einem kleinen, aber feinen Viertel am Meer, mit weissem Sandstrand und einem einladenden Meer ohne Riesenwellen. Adelaide is near-to-perfect, in allen Belangen!

Februar13

Mit dem Indian Pacific nach Adelaide

Aktuelle KarteFrom coast to coast by night and day, hear the clickin’ of the wheels
The hummin’ of the diesel, of her ribbons of steel

Carryin’ the memories of a nation built by hand
See the Indian Pacific span the land

She’s the pride of all the railway men ‘cross country where she flies
From blue Pacific waters to where the mountains rise
By lakes and wide brown rivers, through desert country dry
See the Indian Pacific passin’ by

(Slim Dusty - Indian Pacific)

Hach ja. So schoen melancholisch. Als “one of Australia’s great train journeys” verkauft die staatliche australische Eisenbahnline Great Southern Rails die vier Tage und drei Naechte dauernde kontinentale Reise im 16 Waggons langen Indian Pacific von Perth, am indischen Ozean, nach Sydney, am Pazifik. Aussteigen kann man aber auch unterwegs - in der Goldgraeberstadt Kalgoorlie-Boulder, in Port Augusta, in Adelaide und in Broken Hill. Ich entschied mich dafuer, meine Rundreise ueber den australischen Kontinent komplett zu machen und Adelaide im Bundesstaat South Australia zu besuchen - damit habe ich saemtliche Staaten auf dem Festland besucht, nur Tasmanien fehlt in meiner Sammlung. Am Mittwoch Morgen ging es los, ueber zweieinhalb Tage und zwei Naechte nach Adelaide, wo ich heute ankam.

Ich kann mir denken, dass diese Reise sicher eine “great train journey” ist - wenn man in der Gold Class oder Platin Class faehrt und bereit ist, fuer die Reise mehrere Tausend Dollar auf den Tisch zu blaettern. Selbst ein Schlafwagen-Abteil im “red service” kostete noch 645 Dollar pro Person. Aber dann gab es ja noch den “red service daynighter seat”, einen Sitzplatz, der laut Eigenwerbung so weit zurueckgeklappt werden kann, dass man quasi ein Bett hat. Und das zu 198 Dollar fuer Studenten und Backpacker, billiger als ein Flug - ich buchte einen Sitz. Eine legendaere Bahnreise wollte ich mitmachen. Das habe ich nun hinter mir - und sage auch: NIE WIEDER!!!

Als Passagier in der Billigklasse kommt man sich richtig vor wie ein Passagier in der Billigklasse - man wird vom Personal wie Dreck behandelt, der Sitz laesst sich vielleicht 30 Grad nach hinten klappen, sodass ich zwei Naechte mehr oder weniger im Sitzen geschlafen habe (wobei “Schlafen” schon uebertrieben ist), fuer den gesamten Waggon gibt es eine Toilette und einen angeschlossenen Essenswaggon, in dem vielleicht 20 Leute Platz fanden. Als sich die Nachtmanagerin vorstellte, kam ich mir genauso vor, wie sich die Inhaberin des Schullandheims in der 6. Klasse vorstellte - frei nach dem Motto: Ich habe keinen Bock auf Euch, muss diesen scheiss Job aber machen.

Zudem wurde im Prospekt “Video-Animation” versprochen und einen Lounge-Wagen fuer die “red service”-Klasse. Weder der Waggon noch Fernseher waren vorhanden, und das “complimentory board magazine” war ein mehrseitiger Werbeflyer der Bahngesellschaft aus dem August 2008. Wir kamen uns so richtig verarscht vor, und als meine Sitznachbarin, eine alte Dame namens Shirley, die Nachtmanagerin auf die Missstaende ansprach, meinte die nur, sie sei nicht fuer Beschwerden zustaendig, und den Lounge-Waggon gaebe es schon ueber ein Jahr nicht mehr. Falsche Werbung nennt man das.

Die Reise an sich war, abgesehen von den Misstaenden, jedoch recht interessant. Wir verliessen Perth und durfuhren den “wheatbelt”, die groesste Weizenanbau-Gegend Australiens, bevor wir gegen Abend Kalgoorlie erreichten. Kalgoorlie ist eine Oase mitten im Nichts - das allerdings aufgrund des Golds, welches im spaeten 19. Jahrhundert hier gefunden wurde. Noch heute wird Gold abgebaut und die 24 Stunden-Goldmine ist die groesste der Welt! Leider war es schon recht dunkel, sodass unsere Stadtrundfahrt (der Zug hatte 3 Stunden Aufenthalt) in der Nacht stattfand.

Weiter ging es durch die erste Nacht, und als die Sonne wieder aufging, befanden wir uns inmitten der Nullarbour Plain. Und wir fuhren den gesamten Donnerstag nur durch diese unendliche Weite, die einfach nur flach ist und in der es kein Leben gibt. Die Nullarbour erstreckt sich ueber 800 Kilometer von Kalgoorlie in Western Australia bis Port Augusta in South Australia. Wir passierten ausserdem das laengste gerade Stueck Eisenbahnlinie der Welt: 474 Kilometer geradeaus. Am Ende dieses Stuecks lag Cook, eine ehemalige Bahnarbeiter-Stadt inmitten der Nullarbour, die heute noch genau 5 Einwohner hat, welche auf dem einstuendigen Tankstopp des Indian Pacifics kraeftig Souvenirs verkaufen.

Als wir heute Morgen Adelaide erreichten, machte ich drei Kreuze. Endlich wieder in der Zivilisation, endlich wieder ein normales Bett und endlich wieder normale Duschen und Toiletten. Sicherlich ist eine Reise mit dem Indian Pacific ein Erlebnis: Man bekommt ein Gefuehl dafuer, wie riesig dieses Land ist. Aber alles in allem ist es kein schoenes Erlebnis, und das traurige ist, dass eine staatliche Eisenbahnlinie so viele falsche Versprechungen macht. Und auch schade, weil ich bisher so einen guten Eindruck vom Transport in Australien hatte. Aber einmal ist ja immer das erste Mal.

In diesem Sinne werde ich in den naechsten Tagen Adelaide erkundigen, die Adelaide Hills und die deutsche Siedlung Hahndorf, in der es angeblich deutsches Brot und sogar Leber- und Blutwurst gibt. Ich bin gespannt, ob das nicht auch eine falsche Versprechung ist…